Teilnehmerbericht von Tülin Engin-Stock zu den Kromfohrländer-Seminaren in Overath
Der nachfolgende Bericht zu den Kromi-Seminaren in Overath-Falkemich wurde uns von Tülin Engin-Stock zur Verfügung gestellt. Tülin hat gemeinsam mit ihrem Kromi-Rüden Jimmy (Ricky vom rauhen Stein) an den Seminaren teilgenommen und trainiert auch ansonsten regelmäßig in der Hundeschule in Overath-Falkemich.
Der nur fast perfekte Hund: Beobachtungen aus den Kromi-Seminaren
Als vor sieben Jahren unser Kromi-Rüde bei uns einzog, hatte ich das Glück, im Kromfohrländer-Forum die Empfehlung für eine Hundetrainerin im Bergischen Land zu finden (Vielen Dank an Britta Schmidt). Dieser Bericht beruht auf meinen Lernerfahrungen mit Jimmy und dem Team um Monika Reinartz und Andrea Hinz sowie auf Beobachtungen aus drei Kromi-Seminaren, die seit einigen Jahren von ProKromfohrländer organisiert und von den erfahrenen Trainerinnen angeboten werden.
Ausgangspunkt der Seminare ist meist die sogenannte „Leinenpöbelei“: das Fixieren, Anspannen, In-die-Leine-Gehen, Bellen, Knurren oder Aufspringen eines Hundes, wenn er an der Leine auf andere Hunde, Menschen oder bestimmte Reize trifft. Der Begriff beschreibt zunächst das sichtbare Verhalten, nicht seine Ursache. Hinter solchen Reaktionen können Aufregung, Frustration, Unsicherheit, Angst, territoriale Motivation oder Imponier- und Konfliktverhalten stehen. Im Seminar zeigen sich daraus häufig grundlegendere Themen, die für ein harmonischeres Zusammenleben von Hund und Mensch wichtig sind.
Sätze mit „immer“ und „nie“ sind meistens falsch. Das gilt auch für meine Beobachtungen: Es geht weder um alle Kromfohrländer noch darum, die Rasse schlechtzuschreiben. Mein Eindruck ist vielmehr, dass der Kromi in Rassebeschreibungen sehr positiv dargestellt wird, während Eigenschaften, die im Alltag herausfordernd sein können, weniger deutlich zur Sprache kommen. Für Erst-Kromi-Besitzer*innen ist daher oft schwer einzuschätzen, was das Zusammenspiel dieser Eigenschaften konkret bedeutet und welche Anforderungen daraus an die Erziehung entstehen können.
Der Kromi und seine Eigenheiten
Der Kromi ist klug und ausgesprochen lernfreudig. Nicht selten glänzt er als Musterschüler der Welpengruppe. Damit ist die Erziehung jedoch nicht abgeschlossen: Die eigentlichen Herausforderungen zeigen sich im Alltag – vor der Wohnungstür, beim Empfang der Post oder auf dem Spaziergang. Ein Kromi erfordert deshalb lebenslanges Training, verlässliche Anleitung und regelmäßige Wiederholung. Er gehört nicht zu den Hunden, die sich selbst erziehen – falls es solche Hunde überhaupt gibt.
Obwohl seine Entstehungsgeschichte eng mit dem Foxterrier verbunden ist, zählt der Kromfohrländer nach FCI und VDH nicht zu den Terriern, sondern zu Gruppe 9: Gesellschafts- und Begleithunde. Dennoch können Kromis terrierähnliche Eigenschaften zeigen: schnelle Erregbarkeit, hohe Reaktionsbereitschaft, starke Außenorientierung, Ablenkbarkeit und mitunter ein selbstbewusstes Auftreten gegenüber anderen Hunden. Nicht immer sind Angst oder Unsicherheit der Grund, wenn ein Kromi an der Leine tobt.

Anders als etwa der Foxterrier hat der Kromi meist keinen stark ausgeprägten Jagdtrieb. Viele Menschen schätzen seinen zuverlässigen Rückruf und seine Orientierung im Freilauf. Gerade deshalb lohnt sich eine ehrliche Prüfung, wie eng diese Orientierung tatsächlich ist. Außerhalb des Hauses, neigt so mancher Kromi dazu recht selbstständig sein eigenes Ding zu machen und dabei die Distanz zu seinen Menschen selbst zu bestimmen, auch wenn er hin und wieder guckt. Solange daraus keine Konflikte entstehen, bleibt dieses Verhalten oft unauffällig, denn wenn gerufen wird, ist der Hund ja da.
In den Seminaren sind deshalb Nähe und Distanz regelmäßig ein Thema. Bei aller Anhänglichkeit möchten manche Kromis selbst entscheiden, wie nah sie sich bei ihren Menschen aufhalten. Körperliche Nähe kann jedoch ein wichtiges Handwerkszeug sein, um einen übererregten Hund bei der Selbstregulation zu unterstützen. Diese Nähe muss gegebenenfalls gemeinsam erarbeitet werden und liegt zunächst nicht unbedingt in der Komfortzone des Hundes.
Auch die Leinenführigkeit ist bei den Seminarhunden häufig ausbaufähig – vielleicht, weil der Kromi sich im Freilauf so gut bewährt und die Leine dadurch weniger Aufmerksamkeit erhält.
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Zu den markantesten Eigenschaften des Kromis gehören seine Menschenbezogenheit, Sensibilität und Feinfühligkeit. Er bindet sich eng an seine Menschen und braucht ihre wohlwollende Nähe. Auf Störungen dieser Harmonie durch Fremde können manche Kromis eifersüchtig reagieren. Viele Kromis legen außerdem wenig Wert auf Kontakt zu Menschen oder Hunden außerhalb ihres engsten Kreises und bleiben auch bei guter Sozialisation im Erwachsenenalter reserviert.
Diese enge Bindung und Feinfühligkeit machen Kromis empfänglich für Stimmungsschwankungen ihrer Menschen. Ein aufgeregter oder verunsicherter Hund braucht jedoch sichere und klare Führung – gerade in konflikthaften Situationen ist das für Menschen nicht immer leicht. Das Nervengerüst des Kromis ist selten aus Stahl. Er benötigt häufig mehr Unterstützung als ein robusterer Terrier, um Übererregung selbst zu regulieren. Kromfohrländer sind sensibel und nicht immer unkompliziert.

Der Mensch am anderen Ende der Leine
Probleme entstehen im Zusammenspiel von Hund und Mensch. Ebenso wenig wie ein Schlechtreden des Kromis hilft daher die Behauptung, das „Problem sitze immer am anderen Ende der Leine“.
Die Teilnehmenden der Kromi-Seminare sind meist freundlich, ihrem Hund sehr zugewandt und bemüht, das Richtige für ihn und ihre Umwelt zu tun. Viele haben Hundeschulen besucht und bereits Einzeltraining absolviert. Es fehlt also selten am guten Willen. Dennoch fällt es ihnen schwer, Probleme nicht als persönliches Versagen zu betrachten. Schuld- und Schamgefühle können den Trainingsfortschritt zusätzlich erschweren.
Hier setzt das Seminarkonzept an. Gemeinsam mit Coachin Bärbel Klump werden die Menschen unterstützt und befähigt, wieder Lernfortschritte mit ihrem Hund zu machen. Zugleich zeigt sich an den Erfahrungsberichten der Teilnehmenden, wie schwierig es sein kann, Trainer*innen zu finden, die kromispezifische Herausforderungen verstehen und passende Lösungen anbieten.
Beispiele: Ein zu Mäkeligkeit neigender Kromi kann bei hoher Erregung für Leckerchen kaum ansprechbar sein. Trainingsansätze, die ausschließlich auf Futter setzen, sind in solchen Situationen daher möglicherweise wenig hilfreich. Trainer*innen, die die Sensibilität von Kromis verkennen, können mit zu starkem Druck unerwünschte Trainingsnebenwirkungen erzeugen. Zentrale Themen, wie Ruhe und Entspannung, stehen oftmals deutlich zu wenig im Fokus.
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Das Team um Monika Reinartz ist mit seiner Erfahrung aus zahlraeichen Kromi-Seminaren und dem Einzeltraining deshalb ein besonderer Glücksfall für Kromi-Halter*innen, die Konflikte an der Leine besser verstehen und bearbeiten möchten.