Autoimmunhämolytische Anämie und Thrombozytopenie beim Kromfohrländer


Informationen zur Autoimmunhämolytischen Anämie (AIHA / IMHA) beim Kromfohrländer

Im April 2017 haben wir ein Merkblatt zu dieser Erkrankung erstellt, nachdem sich seit Mitte 2016 die Meldungen von neu an autoimmunhämolytischer Anämie, kurz: AIHA / IMHA, erkrankten Kromfohrländern bei uns häuften. Insgesamt erfuhren wir in dem Zeitraum von 7 neu an AIHA erkrankten bzw. verstorbenen Kromfohrländern. Eine weitere 8. Kromi-Hündin erkrankte bereits im Januar 2016. Bei zwei Kromis lag gleichzeitig eine Thrombozytopenie vor bzw es wurde das Evans-Syndrom diagnostiziert. Fast allen betroffenen Kromfohrländer-Besitzern war nicht bekannt, dass die Kromfohrländer eine Rassedisposition für Autoimmunerkrankungen haben, weil sie von ihren Züchtern nicht umfassend über Erkrankungen in der Rasse aufgeklärt worden waren und es wenige Homepages gibt, auf denen über Krankheiten in der Rasse geschrieben wird. Gute Aufklärung kann jedoch definitiv Kromi-Leben retten und den Besitzern viel Leid ersparen.

WICHTIG: Bitte lassen Sie Ihren Kromfohrländer zur Abgrenzung auch unbedingt auf die von-Willebrand-Erkrankung (Tpy 1) testen! Die von-Willebrand-Erkrankung kann durch Gerinnungsstörungen ebenfalls zu Anämien führen und eine vorliegende AIHA bzw. Thrombozytopenie zusätzlich verstärken. Ausführliche Informationen dazu erhalten Sie auch auf unserer Unterseite zur  von-Willebrand-Erkrankung.

                               Informationen zur autoimmunhämolytischen Anämie beim Kromfohrländer
                           (Elice vom Cronewaldstollen, * 25.07.2013, erkrankte im April 2016 an AIHA)

Wir wünschen uns daher, dass unser Merkblatt, das wir auch als Download zur Verfügung stellen, vereinsübergreifend auf möglichst vielen Kromfohrländer-Homepages veröffentlicht wird. Gerne darf es auch ausgedruckt und zu Welpenmappen hinzugefügt oder auf Spaziergängen verteilt werden. Das Merkblatt wurde von mir im April 2017 auch dem RZV zur freien Verfügung zugesandt; eine Veröffentlichung wurde von dem Vorstand des RZV jedoch abgelehnt , da dieser eine Rassedisposition für Autoimmunerkrankungen beim Kromfohrländer in Abrede stellt. Des Weiteren gab es großen Ärger mit einigen RZV-Züchtern, die befürchteten, dass die Rasse durch solche Veröffentlichungen schlecht geredet wird oder Welpenkäufer abgeschreckt werden könnten. Wir finden das sehr schade, denn dies ist nicht die Zielsetzung unseres Merkblattes. Vielmehr soll das Merkblatt Kromi-Besitzer und auch Neuzüchter für diese Krankheit sensibilisieren und schnelle Hilfe bieten. Das Merkblatt haben wir inhaltlich von der Populationsgenetikerin Frau Sommerfeld-Stur überprüfen lassen.

                                             Pippa - Jule vom Strithorst verstarb an autoimmunhämolytischer Anämie
(Jule vom Strithorst, * 08.05.2012, 4-jährig gestorben am 23.02.2017 an AIHA und der in dem Zusammenhang aufgetretenen Lungenembolie)

Betroffene Kromibesitzer können uns gerne unter familienkromi@web.de kontaktieren oder in unser Gästebuch schreiben.

Das nachfolgende Bild einer akut an AIHA / IMHA erkrankten Kromi-Hündin zeigt die blassen Schleimhäute von Lefzen und Zahnfleisch, die typisch für eine autoimmunhämolytische Anämie sind. Als Vergleich dazu haben wir auch ein Bild von gesunden -gur durchbluteten- Schleimhäuten beigefügt. Zwar haben viele Kromis oftmals auch bei Übelkeit blassere Schleimhäute als gewöhnlich; bei einer Anämie können die Schleimhäute jedoch nahezu schneeweiß werden. Wichtig zu wissen ist auch, dass bei einer Anämie nicht nur die Schleimhäute im Maul, sondern auch an den Augenlidern blass werden. Je niedriger der Hämatokrit-Wert, desto blasser die Schleimäute. Dies kann so extrem werden, dass die Schleimhäute porzellanfarben bis weiß werden.

Der Hämatokrit der unten links abgebildeten Hündin war zum Zeitpunkt des Fotos bis auf  23,4 gesunken, was einen Wert darstellt, bei dem viele Kromi-Besitzer noch gar nichts von der Erkrankung ihres Hundes bemerken, denn vielfach wird die Erkrankung erst bei einem Hämatokrit von 15 und niedriger für die meisten Kromi-Halter offensichtlich. Dann sind die Schleimhäute jeodoch schon nahezu weiß und der Kromi sehr schlapp und apathisch. Schnelle Hilfe ist geboten!

Bei dieser betroffenen Glatthaar-Kromi-Hündin ist es glimpflich ausgegangen. Dadurch, dass ihre Besitzerin für diese Krankheit beim Kromi sensibilisiert war, wusste sie sofort die Anzeichen zu deuten und fuhr direkt zu ihrem Tierarzt, der ein großes Blutbild machte und den Hämatokrit von 23,4 feststellte. Die Hündin bekam sofort hochdosiertes Kortison, auf das sie so gut ansprach, dass ihr eine Bluttransfusion und ein Klinikaufenthalt erspart werden konnten, zumal  sie auch selber noch neue Blutkörperchen in ausreichender Menge in ihrem Rückenmark nachgebildet hat. Mithilfe der Cortison-Therapie hat sich der Hämatokrit auf 46 stabilisiert.


Blasse Schleimhäute und Zahnfleisch bei AIHA / IMHA
Der Hämatokrit dieser Hündin lag bei 23,4

Blasse Schleimhäute bei der IMHA

Gut durchblutete rosafarbene Schleimhäute beim gesunden Kromi

Gesunde Schleimhäute

Kromfohrländer - Morbus addison und AIHA    Antu vom Kreuzviertel, * 28.03.2009 erkrankte mit ca. 3 Jahren an Morbus Addison. Im Februar 2017 verstarb sie 7-jährig an AIHA.

 


2. Merkblatt zur Autoiummunhämolytischen Anämie (AIHA / IMHA)

Unser Merkblatt zur IMHA steht unter dem folgenden Link auch als Download (PDF-Datei) zur Verfügung:  Merkblatt Autoimmunhämolytische Anämie (AIHA) bei Kromfohrländern 

  Download   Download

Merkblatt zur Autoiummunhämolytischen Anämie (AIHA / IMHA)

bei Kromfohrländern

 

(Erstellt im April 2017)

Vorwort:

Dieses Merkblatt soll weder Panik verbreiten, noch die Rasse insgesamt krank reden, denn es gibt auch viele Kromfohrländer, die gesund alt werden. Dennoch ist eine Sensibilisierung von Kromfohrländer-Besitzern und Züchtern absolut notwendig, da sich gerade in der letzten Zeit die Meldungen von Kromfohrländern, die im Alter zwischen 5-9 Jahren an autoimmunhämolyischer Anämie (AIHA) erkrankten und im schlimmsten Fall innerhalb von nur 48 Stunden bis 7 Tagen daran verstarben, häuften. Leider werden viele Kromi-Besitzer von dieser Krankheit eiskalt erwischt und regelrecht überrollt, da sie mangels Aufklärung nicht wissen, dass bei den Kromfohrländern eine Rassedisposition für diese Erkankung besteht und es auch keine Zuchtlinie gibt, die gänzlich frei von diversen Autoimmunerkrankungen ist.

Schnelle Hilfe und das Wissen um die Krankheit können bei einer AIHA jedoch definitiv das Leben der betroffenen Hunde retten, denn eine AIHA kündigt sich mitunter Tage oder Wochen vorher schleichend an. Auch gibt es Fälle, in denen bei betroffenen Kromis bereits eine andere AI (z.B. SLE, Myositis, Morbus addison) diagnostiziert worden war und eine AIHA im Laufe der nachfolgenden Jahre oder Monate hinzukommt. Es ist folglich sehr wichtig, genau zu wissen wie sich eine AIHA bei unseren Kromfohrländern äußert und worauf man seinen Tierarzt bei entsprechenden Symptomen hinweisen sollte. Viele Haustierärzte können die Anzeichen -vor allem dann wenn sie noch nicht sehr ausgeprägt und diffus sind- nicht immer richtig deuten, da die Kromfohrländer eine recht seltene Rasse sind und vielen Tierärzten deren Rassedisposition für Autoimmunerkrankungen nicht bekannt ist. Dies verwundert jedoch nicht, denn die meisten Züchterseiten beinhalten keinerlei Hinweise auf Krankheiten in der Rasse. Mehrere betroffene Kromi-Besitzer haben jedoch bestätigt, dass genau dieses Wissen und ihre Hinweise auf die AIHA in der Rasse ihren Hunden letzten Endes das Leben gerettet hat, weil die Kromis sehr schnell entsprechend behaldelt wurden.

Mögliche erste Anzeichen:

Die autoimmunhämolytische Anämie kommt oft „wie angeflogen“ und nimmt sehr schnell einen äußerst dramatischen Verlauf. Manchmal macht sich eine AIHA jedoch auch-wie mehrere Kromi-Besitzer übereinstimmend berichteten- bereits einige Wochen oder wenige Tage vorher mit Erbrechen, Durchfällen, Mattigkeit, ausbleibender Läufigkeit oder auch mit unerklärlichen Fellverlusten (außerhalb von saisonalen oder läufigkeitsbedingten Fellwechseln) bemerkbar. Ebenfalls auffällig war bei einigen betroffenen Kromis, dass sie im Vorfeld kalkhaltige Wände annagten bzw. exzessiv an kalkhaltigen Böden leckten und besonders viel Erde fraßen. Erwähnenswert ist auch, dass die ersten Symptome nach körperlichem bzw. psychischem Stress bei den jeweiligen Kromis auftraten. So berichteten 2 Besitzer darüber, dass sie ihren Hund zu einer Urlaubsbetreuung gegeben hatten. Eine weitere Familie befand sich gemeinsam mit ihrem Hund im Urlaub im sonnigen Süden, als die Krankheit ausbrach. Und bei wieder einem anderen Kromi brach die Erkrankung kurz nach einem Skiurlaub im Februar aus, wo sich trotz der Kälte massiver Fellverlust einstellte, bevor die Krankheit kurze Zeit danach Zuhause massiv ausbrach. Auch berichteten einige Kromi-Besitzer davon, dass sich ihre Hündinnen nach einem Wurf nicht mehr richtig erholten und wenige Wochen nach der Trächtigkeit an einer AIHA erkrankten.

Die vorgenannten Beobachtungen stimmen mit Erkenntnissen überein, wonach eine in dem Hund schlummernde Veranlagung zur AI durch Stress (positivem wie auch negativem) ausgelöst werden kann. Außer den vorgenannten Faktoren können dies auch Impfungen, Narkosen, Kastrationen oder sonstige chemische Belastungen durch Wurmkuren und Spot-on-Lotionen sein. Also quasi alles, wogegen sich ein (erb)gesunder Organismus in aller Regel wehren kann. Je älter der Hund wird, desto öfter wird er solchen Faktoren ausgesetzt und die AI entsprechend „getriggert“ -sprich angestoßen bzw. ausgelöst.

Wichtig: Die vorgenannten möglichen ersten Anzeichen sind nicht klassisch für AIHA und können auch einen ganz harmlosen Grund haben. Erde-Fressen steht z.B. häufig im Zusammenhang mit einer Magenübersäuerung und kommt bei Hunden oft vor. Genauso wie Erbrechen und Durchfall in den meisten Fällen noch kein Grund zur großen Beunruhigung sind. Jedoch sollten diese Anzeichen, vor allem wenn auch bereits Geschwister- oder Elterntiere erkrankt sind, nicht ignoriert werden und im Zweifelsfall gibt ein großes Blutbild Auskunft darüber, ob ein größeres Problem vorliegt. Das Blutbild gibt vor allem auch Aufschluss darüber, ob der „Hämatokrit-Wert“ des Hundes, der zwischen 44 und 52 liegen sollte, in Ordnung ist. Also lieber ein Blutbild zu viel als eines zu wenig machen, denn ein Blutbild gibt auch über viele andere mögliche Erkrankungen und Mangelzustände Auskunft. Auch sollte auf jeden Fall eine Abgrenzung zu der von-Willebrand-Erkrankung (Typ 1) erfolgen. Dies ist über einen Gentest möglich, falls Ihr Kromfohrländer noch keinen bekommen hat.

Klassische Anzeichen einer AIHA beim Hund:
 

Die klassischen Symptome einer autoimmunhämolyischen Anämie sind die folgenden:

  • blasse, fast porzellanweiße Schleimhäute

  • Mattigkeit

  • Apathie

  • Fressunlust

  • Durchfall / Erbrechen

  • Zerstörung der roten Blutkörperchen (nachweisbar durch Blutuntersuchung) ==> sehr niedriger Hämatokrit-Wert!!! (s.o.)

  • ggfs. auch Untertemperatur

Spätestens bei diesen Anzeichen sollten Sie mit ihrem Hund schnellstens in eine Tierklinik fahren!!!! Bitte sprechen Sie die Tierärzte dort auf jeden Fall auf die Rassedisposition zur AIHA an, denn die Tierärzte werden auch das Vorliegen von Infektionskrankheiten (z.B. Anaplasmose, Mittelmeerkrankheiten) oder Vergiftungen mit abklären. Je frühzeitiger in die richtige Richtung behandelt wird, desto besser. Die schnelle Gabe von hochdosiertem Cortison und auch Bluttransufsionen können bei AIHA -gerade in den Fällen wo der Hämatokrit-Wert bereits stark abgesunken ist- lebensrettend sein. Besonders lebensbedrohlich sind Hämatokrit-Werte unter 15. Der niedrigste mir bekannte Hämatokrit-Wert, bei denen Kromis gerettet werden konnten liegt bei 9. Allerdings ist auch dieser Wert schon sehr, sehr kritisch. Eine Hündin, die kürzlich einen Hämatokrit-Wert von nur noch 8 hatte als sie in die Klinik eingeliefert wurde, ist leider nach nur 6 Tagen intensivmedizinischer Behandlung und mehreren Bluttransfusionen gestorben. Besonders dramatisch an diesem Fall war, dass bereits seit mehreren Monaten ein Bruder und auch Halbgeschwister dieser Hündin an (anderen) Autoimmunerkrankungen erkrankt waren. Den Besitzern war jedoch weder die Rassedisposition bekannt, noch hatten sie bis dahin von den erkrankten Geschwistertieren und dem zwischenzeitlich erkrankten Muttertier erfahren, so dass zu Beginn der Erkrankung wertvolle Zeit verloren wurde.

Verdachtsdiagnosen:

Anämien treten auch im Zusammenhang mit Vergiftungen, inneren Blutungen und Infektionskrankheiten auf. Vielfach wird auch in diese Richtung untersucht. Leider kann man dadurch jedoch auch wichtige Zeit verlieren, so dass es wichtig ist, die Tierärzte auf die Rassedisposition für AIHA und auch für Thrombozytopenie, die in einigen Fällen gleichzeitig vorliegt (Evans-Syndrom), hinzuweisen. Gerade kürzlich ist ein 9-jähriger kastrierter Kromfohrländer-Rüde gestorben, bei dem gleichzeitig eine Thrombozytopenie und eine AIHA vorlagen. Er war bis zu diesem Zeitpunkt immer gesund bis er dann im Oktober 2016 aus dem Maul blutete und Einblutungen / Blutergüsse unter der Haut am Bauch sichtbar waren. Bei der anschließenden tierärztlichen Untersuchung waren keine Thrombozyten mehr nachweisbar; der Hämatokrit lag bei nur noch 16. In der Tierklinik wurden die Verdachtsdiagnosen Vergiftung und Milztumor gestellt. Beide Verdachtsdiagnosen bestätigten sich jedoch nicht und es wurde die AI diagnostiziert. Der Rüde bekam eine Bluttransufsion. Leider kamen weitere Blutungen im Bauchraum hinzu, so dass er letzten Endes eingeschläfert werden musste. Er verstarb innerhalb von nur 48 Stunden.


Tests auf AIHA:


Bei Verdacht auf AIHA werden i.d.R. der Coombs-Test und / oder der ANA-Test durchgeführt. Fallen diese Tests positiv aus, kann ein autoimmuner Grund für die Anämie nachgewiesen werden. Die Diagnose lautet dann Autoimmunhämolytische Anämie. Der Nachweis einer autoimmunhämolytischen Anämie über den Coombs- oder ANA-Test gelingt allerdings nicht immer. Wird jedoch keine andere Ursache für die Anämie gefunden, sollte man das Vorliegen einer autoimmunhämolytischen Anämie nicht zuletzt auch wegen der Rassedisposition in Betracht ziehen.

Die autoimmunhämolytische Anämie kommt oft „wie angeflogen“ und nimmt sehr schnell einen dramatischen Verlauf. Kurz zuvor scheinbar gesunde Hunde bauen innerhalb weniger Stunden sichtbar ab, bis sie sich kaum noch auf den Beinen halten können. Hier ist schnelle Hilfe dringend erforderlich. Eine schnelle richtige Diagnose und entsprechende Behandlung können daher, wie oben ausgeführt, lebensrettend sein.


Die Therapie bei einer AIHA:


Die richtige Therapie muss unbedingt durch versierte Tierärze bzw. eine Tierklinik erstellt werden, so dass ich diesbezüglich keine Ratschläge geben kann und möchte.

I.d.R. bekommen die Hunde hochdosiertes Cortison. Teilweise werden auch noch Immunsuppressiva wie Azathriopin / Cyclosporin gegeben. Allerdings braucht das Cyclosporin ca. 1 Woche bevor es richtig anschlägt, während das Cortison etwas schneller wirkt. Sehr schnell soll auch Mycophenolat wirken. Allerdings hat dies bei der vorgenannten Kromi-Hündin, die mit einem Hämatokrit von nur 8 in die Tierklinik kam, nicht angeschlagen.


Da Cortison vielfach zu Problemen im Verdauungstrakt (Magenblutungen, Bauchspeicheldrüsenentzündungen etc.) führen kann, ist es ratsam, dass ein Magenschutz gegeben wird. Von den Kromfohrländern wird in der Regel das Magenschutzmedikament Omeprazol sehr gut vertragen. Auch dies sollte man mit seinem Tierarzt besprechen.


Wichtig ist, dass der eigene Körper des Hundes im Rückenmark Blutkörperchen zu bilden beginnt, ohne dass diese direkt wieder durch die Autoimmunerkrankung zerstört werden.


Bitte informieren Sie bei einer Erkrankung Ihres Kromfohrländers unbedingt auch Ihren Zuchtverein und Ihren Züchter bzw. die Besitzer von Geschwistertieren zu denen Sie noch Kontakt haben.

Unter der E-Mail-Adresse familienkromi@web.de helfen auch wir gerne weiter und sind dankbar für Informationen zu erkrankten Kromfohrländern.
 

Zum Weiterlesen:
 

Gute wissenschaftliche Informationen zur AIHA bekommt man auf der Homepage:

Thieme.de- Immunbedingte-haemolytische-anaemie

Ein informatives Krankentagebuch des Kromfohrländers Andro (Andor von den Lahberger Weegen) ist an dieser Stelle zu finden:

https://www.kromfohrlaender-andro.de/

Auf unserer Familienkromi-Homepage sind auf der entsprechenden Unterseite viele weitere Informationen zum Thema Autoimmunerkrankungen zu finden.

Für den Austausch mit anderen Besitzern AI-kranker Hunde steht unter dem Link https://www.carookee.de/forum/autoimmun unser nicht öffentliches AI-Forum zur Verfügung. Speziell für Kromi-Besitzer gibt es dann auch noch unser Kromfohrländer-Forum.
 

Unser Wunsch:

  • Ein offener und ehrlicher Umgang mit dem Thema AI. Dazu gehört auch Welpenkäufer zu informieren, wenn ein Geschwister- oder Elterntier irgendwann an AI erkranken sollte oder bereits erkrankt ist

  • Ein behutsames Aufklären von Interessenten, Kromi-Besitzern und angehenden Züchtern in Bezug auf AIHA ohne Panik zu schüren

  • Ein vereinsübergreifendes Veröffentlichen dieses Merkblattes auf möglichst vielen Kromi-Homepages ist ausdrücklich erlaubt und wünschenswert

Fragen und Anregungen beantworten wir gerne unter ==> familienkromi@web.de

© http://www.familienkromi-kromfohrlaender.de


3.Was bedeutet die Rassedisposition für Autoimmunhämolytische Anämie (IMHA / AIHA) und andere Autoimmunerkrankungen für die Kromfohrländer-Zucht? 

Langjährige kritische Züchter, Einkreuzbefürworter und Kenner der „Kromi-Szene“ weisen schon seit vielen Jahren besorgt darauf hin, dass der Kromfohrländer ein inzuchtbedingtes Autoimmun-Problem hat, jedoch wird dieses Problem nicht zuletzt aus Sorge vor zurückgehenden Welpen-Verkaufszahlen durch den Rassezuchtverein der Kromfohrländer -RZV- und einige seiner Züchter gerne klein geredet und von „bedauerlichen Einzelfällen“ gesprochen.

 Autoimmunerkrankungen des Blutes beim Kromfohrländer  Evans-Syndrom beim Kromfohrländer
(Colja -Pauli- von der Aragorner Höhle - verstarb 9-jährig im Oktober 2016 innerhalb 48 Stunden an AIHA und Thrombozytopenie)

Unter dem Datum vom 10.08.2016 wurde eine Dissertation zur primären und sekundären hämolytischen Anämie bei Hunden veröffentlicht, bei der mittels aus den Jahren 2006 – 2012 vorliegender Patientendaten der Klinik für Kleintiere der Justus-Liebig-Universität aus Gießen auch Kromfohrländer mit einbezogen wurden. In der Dissertation wird eine Rassedisposition des Kromfohrländers für diese Erkrankung erwähnt. Es wird angeführt, dass die Kromfohrländer (sowie der Berger de Picardie und der Entlebucher Sennenhund) statistisch gesehen "signifikant häufiger" an AIHA erkranken würden als andere Hunderassen. Allerdings ist diese Aussage in der Dissertation dahingehend zu relativieren, dass keine flächendeckenden Daten vorlagen. Auch wurden nur wenige Kromfohrländer in die Studie einbezogen, so dass diese Studie nicht repräsentativ ist und von dem RZV zum Anlass genommen wird, im Umkehrschluss eine Rassedisposition sowohl für AIHA, als auch für jegliche anderen Autoimmunerkrankungen grundsätzlich zu negieren, da der "Doktorvater" der Dissertation auf Nachfrage des RZV angibt, dass eine Rassedisposition anhand der Dissertation statistisch nicht bestätigt werden kann. Allerdings kann eine Rassedisposition durch die Dissertation unseres Erachtens nach auch nicht widerlegt werden. Denn wenn man die Dissertation alleine für eine Negierung zugrunde legt, lässt man völlig außer Betracht, dass es eine Vielzahl von an AI erkrankten Kromfohrländern gibt, die in die Dissertation nicht einbezogen wurden.

Der genaue Wortlaut der Studie kann den nachfolgenden Screenshots entnommen werden:


   

 

Die Komplettfassung der Dissertation ist unter dem folgenden Link zu finden:

Uni-Giessen.de/geb/volltexte/2016/ReithEva_2016

Es ist in der Tat so, dass es eine erkleckliche Anzahl an Kromfohrländern gibt, die an den Blut-Autoimmunerkrankungen (autoimmunhämolytische Anämie, Thrombozytopenie und Evans-Syndrom) sowie anderen Autoimmunerkrankungen erkranken, so dass es ein heißes Eisen sein dürfte, wenn ein Zuchtverein eine Rassedisposition verneint. Wir haben die österreichische Populationsgenetikerin Prof. Sommerfeld-Stur befragt, in welchen Fällen man von dem Vorliegen einer Rassedispotition für Erkrankungen sprechen kann und die folgende Auskunft erhalten, die wir hier mit ihrem Einverständnis veröffentlichen dürfen:

ZITAT Prof. Sommerfeld-Stur "<...>  Wenn man von einer Rassedisposition spricht, dann ist gemeint, dass eine bestimmte Erkrankung in einer Rasse immer wieder mal auftritt. Um von einer Disposition zusprechen braucht man keine große Statistik, da genügt es, wenn in einer Rasse Fälle auftreten.

Von einer Rasseprädisposition spricht man dann, wenn eine bestimmte Krankheit in einer Rasse signifikant häufiger auftritt als in anderen Rassen. Um Rasseprädispositionen festzustellen, braucht man daher repräsentative Stichproben der betroffenen Rasse und ebenso von anderen Rassen.

Für die Praxis macht es im Grund keinen Unterschied. Denn wenn eine Erkrankung in einer Rasse nicht nur vereinzelt auftritt und wenn noch
dazu bei den erkrankten Tieren <....> verwandtschaftliche Beziehungen vorliegen, dann hat die Rasse ein Problem, das züchterisch berücksichtigt werden sollte.
" ZITAT Ende


Beipsiel für Verwandtschaftliche Zusammenhänge

Anämie beim Kromfohrländer

Aimée-Ginger vom Kreuzviertel *28.03.2009, bekam ab 2013 -ebenso wie ihr Vater Ayko vom glatten Kiesel- Arthrose, erkrankte Anfang 2016 an AIHA und Anfang 2017 erblindete Ginger als Nebenwirkung der Medikamente. Gingers Schwester Antu litt seit einigen Jahren an der AI Morbus Addison und verstarb im Februar 2017 an AIHA. Eine weitere Schwester -Amira vom Kreuzviertel- hat die Autoimmunerkrankung Pemphigus - leider keine Einzelfälle. Mittlerweile ist auch Ginger über die Regenbogenbrücke gegangen.


In der Dissertation wird auch ausgeführt, dass Hunde (egal welcher Rasse) meistens im mittleren Alter an AIHA erkranken. Interessant sind weiterhin die Ausführungen, dass Krebserkrankungen, Borrelliose und Anaplasmose oftmals im Zusammenhang mit der AIHA festgestellt werden, wobei man wissen muss, dass eine große Anzahl an Hunden ohnehin einen positiven Anaplasmose-Titer hat, ohne jemals daran zu erkranken. Eine Gegebenheit, die wir in den letzten Jahren auch schon im AI-Forum heraus gearbeitet haben.

Autoimmunhämolytische Anämie beim Kromfohrländer
(Amali von der Erbacher Brücke, *16.05.2009, erkrankte 7,5-jährig im Januar 2017 an AIHA, es geht ihr dank einer guten Einstellung auf Cyclosporin und Cortison momentan sehr gut)

Leider hat die Praxis im AI-Forum auch gezeigt, dass viele Kromfohrländer oftmals nur auf Borrelliose und Anaplasmose behandelt wurden und frühzeitig verstarben, weil sie statt mit dem bei Autoimmunerkrankungen erforderlichen hochdosierten Cortison ausschließlich mit Antibiotika behandelt wurden. Der Grund liegt u.a. darin, dass viele Tierärzte und Kromibesitzer die Rassedisposition der Kromfohrländer für Autoimmunerkrankungen nicht kennen und sich viele Züchter und Hundebesitzer zudem an den Strohhalm klammern, dass es doch keine AI ist. Leider kommt dadurch die Hilfe für manch einen Kromfohrländer zu spät....

AIHA - iMHA beim Kromfohrländer
(Archibald bi de Uihlenstraat, erkrankte 4-jährig an Myositis und bekam später auch noch AIHA, verstarb 8-jährig im Jahr 2014 an der AIHA)

Viele solcher „Anaplasmose-Fälle“ ziehen sich wie ein roter Faden durch bestimmte Kromfohrländer-Linien, in denen Großeltern, Elternteile oder Geschwister betroffener Tiere nach kurzer, schwerer Erkrankung plötzlich verstarben. Betrachtet man diese Linien genauer, so sind im näheren verwandtschaftlichen Umfeld diverse Autoimmunerkrankungen zu finden. Es wäre also mehr als nahe liegend, auch in diese Richtung zu untersuchen.

In der o.g. Studie wurde zudem bei 35% der AIHA-Fälle ein Systemischer Lupus (SLE) festgestellt. Auch lag gleichzeitig zur Anämie oft eine Thrombozytopenie bzw. das Evans Syndrom vor. Alles Diagnosen, die wir auch von den Kromfohrländern kennen.

Der Grund für die genetische Disposition für eine AIHA wird unter anderem in der genetischen Verarmung / Inzucht sowie in zu scharfer Selektion bei bestimmten Hunderassen gesehen, wie man dem nachfolgenden Screenshot entnehmen kann.

Dies sind Aussagen, die zum Einkreuzen ermutigen sollten, denn nur so bekommt man wieder eine größere genetische Vielfalt in die Kromfohrländer, wenngleich auch ab der F2-Generation wieder rassetypische Schadgene aufeinander treffen und somit zu Erkrankungen führen können. Vor solcherlei Rückschägen ist übrigens kein Hundezüchter gefeit.

Da die Studie auch diverse andere Rassen aufführt, bei denen ebenfalls eine genetische Disposition für hämolytische Anämien vorliegt, sollte dies zu großer Achtsamkeit bei Einkreuzprojekten ermahnen, denn neben der genetischen Verarmung des Kromfohrländers sind auch verwandtschaftliche Häufungen in dem familiären Umfeld der Paarungspartner zu berücksichtigen, so dass den Züchtern auf jeden Fall bekannt sein sollte, welche Krankheiten bei Eltern, Großeltern, Geschwistern und anderen Verwandten der Zuchttiere aufgetreten sind.

Des Weiteren ist es sehr wichtig bei der Rasseauswahl für Einkreuzprojekte darauf zu achten, dass nicht bei beiden Rassen, genetische Dispositionen für dieselben Krankheiten (Epilepsie, Cystinurie, Autoimmunerkrankungen etc.) gehäuft auftreten, denn sonst ist nichts gewonnen.

Auch bei den reinrassigen Verpaarungen muss genauestens hingeschaut werden. Es nützt nichts, Verpaarungen nur nach den Epi-Werten und dem Verwandtschaftsgrad zusammenzustellen, denn auch die anderen Parameter müssen zwingend berücksichtigt werden – vor allem auch im Hinblick auf Autoimmunerkrankungen. Sofern in der Zuchtlinie der Hündin in näherer Verwandtschaft (insbesondere bei Großeltern, Eltern und / oder Vollgeschwistern) AI vorkommt, sollte sie mit einem Partner zu verpaart werden, bei dem das Umfeld besser aussieht. Und so muss man sich bei der Zuchtplanung von Rüde zu Rüde durcharbeiten bis man eine reinrassige Verpaarung gefunden hat, mit der man einigermaßen gut leben kann. Gänzlich ausschließen kann man die Risiken leider nie, da es keine einzige komplett AI-freie Kromfohrländer-Linie gibt. Aber man kann zumindest versuchen, „Häufungen“ zu vermeiden. Und da sitzen freilich alle Züchter, die reinrassige Kromfohrländer züchten, unabhängig von ihrer Vereinsangehörigkeit in demselben Boot.

                               
                          (Elice vom Cronewaldstollen, * 25.07.2013, erkrankte im April 2016 an AIHA)

Was bei der Zuchtplanung jedoch auch noch sehr wichtig erscheint, ist, dass nicht 2 sehr junge Kromis, die vielleicht gerade einmal ihren ersten Wurf bekommen und möglicherweise auch noch AI in der näheren Verwandtschaft haben, miteinander verpaart werden. Solche Wurfplanungen erscheinen mir doch recht riskant zu sein. Besser ist es grundsätzlich auf eine junge Hündin einen älteren Rüden zu setzen.

Auch für Einkreuzprojekte ist klar, dass ab der F2-Generation mit dem zunehmenden Kromi-Anteil auch wieder die Kromi-spezifischen Schadgene vermehrt aufeinander treffen. Es kann eben nicht in kurzer Zeit alles das wieder gerade gebogen werden, was sich in Jahrzehnten massiver Inzucht manifestiert hat. Da jedoch dringend etwas getan werden muss und wir dies für den einzig gangbaren Weg halten, sind wir aus Überzeugung Mitglied in dem
Zuchtverein ProKromfohrländer e.V., in dem neben der Reinzucht ein Einkreuzprojekt mit dem Dansk-Svensk-Gardhund durchgeführt wird, der auf eine große genetische Varianz zurückblicken kann
.

Als Abschluss sei für alle, die sich bis zum Ende durch diesen langen Text gekämpft haben, aber auch angemerkt, dass es hier mitnichten darum geht die Kromfohrländer krank zu reden, wie uns gerne unterstellt wird. Es gibt auch etliche Kromfohrländer, die bis ins hohe Alter gesund, verspielt und fit sind. Auch sind die Kromis eine äußerst tolle und liebenswerte Rasse, denn sonst gäbe es nicht so viele Kromi-Fans und auch nicht meine Familienkromi-Homepage. Nichtsdestotrotz muss man den Tatsachen auch im Hinblick auf AI ins Auge schauen, Interessenten ehrlich und behutsam aufklären und die Probleme nicht weiter von sich weg schieben. In diesem Sinne wünsche ich allen, dass sie unbeschwert ein langes, gesundes Kromi-Leben mit ihrem vierbeinigen Gefährten verbringen dürfen :-)

Gerne dürft Ihr Euch auch in unserem Kromi-Forum weiter mit uns über das Thema austauschen oder uns Anmerkungen in unser Gästebuch  schreiben. Sehr dankbar sind wir insbesondere, wenn uns erkrankte Kromfohrländer per E-Mail an familienkromi@web.de  gemeldet werden, damit wir erkrankten Hunden helfen und uns in unserem Zuchtverein weiterhin für die Zucht gesunder Kromfohrländer einsetzen können. Die Meldungen werden selbstverständlich vertraulich behandelt.


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